Volker H. Schendel – Vitamin D Research - Freier Wissenschaftsjournalist - http://www.urlaub.astrologiedhs.de/3.html


Audiorezension vom 14. November 2015 zum Film:

Ruediger Dahlke - Ein Leben für die Gesundheit - Werdegang, Wissen & Wirken - Doppel-DVD

http://d.mp3vhs.de/C1/Rezensionen/DahlkeDVD.mp3

Drei Stunden persönliche Geschichten und Wissen auf zwei DVDs – gefilmt im  TamanGa Zentrum in der Südsteiermark. Eine unterhaltsame und einzigartige Einführung in Leben und Werk des philosophischen Arztes, für ein Leben in Gesundheit und Fülle. - Preis: 21,90 Euro Idee, Konzept, Moderation & Regie: Thomas Schmelzer - Kamera, Co-Regie & Schnitt: Christian Berges - Produktion: MYSTICA GmbH - Bestellung bei:

http://www.seinswelten.de/product/4099276460850038225/Seinswelten-Exklusiv_DVD-Reihe-DER-GROSSE-FILM/Ruediger-Dahlke/Ruediger-Dahlke---Ein-Leben-fuer-die-Gesundheit

Hintergrund:

http://www.dahlke.at/veroeffentlichungen/dvds/dvd.php

http://www.mystica.tv/neue-dvd-ruediger-dahlke-ein-leben-fuer-die-gesundheit/

https://www.facebook.com/mystica.tv/videos/10153539380670845/

https://www.youtube.com/watch?v=fG4AaohtQ4o

www.mystica.tv/

http://www.dahlke.at/

Dr. Ruediger Dahlke: Schicksalsgesetze, Schatten, Lebensprinzipien, Peace Food, Reinkarnation .........

http://www.dahlke.at

In der Mediathek von R. D.    http://www.dahlke.at/mediathek/mediathek.php   und bei Mystica.TV von Thomas Schmelzergibt es zur Arbeit von Dr. Dahlke ausführliche Gesprächsvideos.

Zu Gast im Studio bei von a bis w: Gespräch mit Dr. Ruediger Dahlke am 2. Oktober 2011 

Teil 1:  

http://dl.astrologiedhs.de/vonabisw/dahlke/dahlke1.mp3

Teil 2:  

http://dl.astrologiedhs.de/vonabisw/dahlke/dahlke2.mp3

Rezension zu:
Ruediger Dahlke , Margit Dahlke : Die Lebensprinzipien: Wege zu Selbsterkenntnis, Vorbeugung und Heilung - 736 Seiten - Arkana, München, 2011 - ISBN-13: 978-3442338931 - € 24,99
http://d.mp3vhs.de/vonabisw/rezension/lebensprinzipien.mp3

Das Schatten-Prinzip: Die Aussöhnung mit unserer verborgenen Seite

http://www.amazon.de/Das-Schatten-Prinzip-Auss%C3%B6hnung-verborgenen-%C3%9Cbungs-CD/dp/3442338816/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1319019596&sr=8-1

Peace Food: Wie der Verzicht auf Fleisch und Milch Körper und Seele heilt

http://www.amazon.de/Peace-Food-Verzicht-Fleisch-K%C3%B6rper/dp/3833822864/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1319019596&sr=8-2

Die Schicksalsgesetze: Spielregeln fürs Leben - Resonanz Polarität Bewusstsein

http://www.amazon.de/Die-Schicksalsgesetze-Spielregeln-Polarit%C3%A4t-Bewusstsein/dp/3442338565/ref=sr_1_7?ie=UTF8&qid=1319019596&sr=8-7

Die Lebensprinzipien: Wege zu Selbsterkenntnis, Vorbeugung und Heilung

http://www.amazon.de/Die-Lebensprinzipien-Selbsterkenntnis-Vorbeugung-Heilung/dp/344233893X/ref=sr_1_10?ie=UTF8&qid=1319019596&sr=8-10

Von der großen Verwandlung - Wir sterben und werden weiterleben

http://www.amazon.de/Von-gro%C3%9Fen-Verwandlung-sterben-weiterleben/dp/3861910101/ref=sr_1_11?ie=UTF8&qid=1319019596&sr=8-11



Wouter J. Hanegraaff : Esotericism and the Academy: Rejected Knowledge in Western Culture

http://www.amazon.co.uk/Esotericism-Academy-Rejected-Knowledge-Western/dp/0521196213/ref=la_B001JOKDBM_1_3?s=books&ie=UTF8&qid=1380807036&sr=1-3

Zeit Online:  gefunden am 30. August 2013

http://www.zeit.de/2013/21/esoterik-boom/komplettansicht

“Esoterik  -  Was suchen die da?

Channeling, Lichttherapie, Feng Shui, Wahrsagen und viele weitere esoterische Praktiken erleben einen Boom. Was steckt dahinter? Von Max Rauner

Das Baby schwebte noch im Fruchtwasser, da geriet es schon in den Sog einer Massenbewegung. Seine Mutter Alexandra war im neunten Monat schwanger, und das Ungeborene wollte sich partout nicht in Schädellage drehen. Darum griff die Hebamme zur Moxibustion: Sie hielt eine "Moxa-Zigarre" aus Beifußkraut an Alexandras kleinen Zeh. Alexandra Elek – eine Rechtsanwältin, die eben noch in ihrer Kanzlei gearbeitet hatte – kauerte auf dem Wohnzimmerteppich und streckte ihr Bein in den Qualm der Zigarre. "Es war ein bisschen wie bei der ›versteckten Kamera‹", erinnert sie sich. "Ich dachte die ganze Zeit, gleich fällt von irgendwoher eine Filmleuchte vom Himmel."Nein, die Szene ist nicht für das Fernsehen inszeniert, sondern Alltag in Deutschland. Esoterikalltag. Die einen möchten ein Kind auf die Welt bringen und werden mit Moxa-Zigarren behandelt. Andere wollen nur ein Brot kaufen und stellen fest, dass die Lübecker Bäckerei Junge ihren Sauerteig mit "energetisiertem Wasser" anmischt. An Volkshochschulen wird Reiki gelehrt, Heilen durch Handauflegen. Feng-Shui-Berater stellen Möbel um und Steine auf, um den Fluss der Energien zu harmonisieren. Wenn Oma gestorben ist, gehen die Enkel ins Internet und nehmen über ein Medium Kontakt mit der Verstorbenen auf. Nach wissenschaftlichen Maßstäben ist Deutschland nicht mehr ganz dicht.Doch wer so denkt, zählt womöglich bald zu einer Minderheit. Die Okkultismusforscherin Sabine Doering-Manteuffel, Präsidentin der Universität Augsburg, beobachtet "eine stille spirituelle Revolution", die sich über Europa ausbreitet: "Hier werden Weltbilder verändert wie in keiner Missionsphase der europäischen Geschichte zuvor."Jeder sechste Deutsche* äußert Sympathie für Anthroposophie und Theosophie, jeder vierte zeigt sich aufgeschlossen gegenüber Wunder- und Geistheilern, gut 40 Prozent der Bevölkerung halten etwas von Astrologie oder New Age – Westdeutsche jeweils mehr als Ostdeutsche. Das sind die neuen Zahlen der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (Allbus). "Esoterische Vorstellungen gelten zunehmend als normal", sagt der Münsteraner Soziologe Detlef Pollack. "Sie diffundieren in die alltägliche Kommunikation der Menschen, sogar in Wissenschaft und Medizin." Und helfen sie nicht manchmal sogar? Als Alexandra Eleks Baby sich kurz vor der Geburt in die Schädellage drehte, begann selbst die Mutter kurz zu zweifeln: "Ob an dem Moxa-Qualm nicht doch was dran ist?"Esoterik ist ein Sammelbegriff, der nicht nur Okkultes umfasst. Sie reicht vom harmlosen Aufspüren angeblich schädlicher Wasseradern und ungesunder Strahlenquellen über Eselsmilchtinkturen und bisweilen hilfreiche homöopathische Kügelchen bis hin zu Geistheilungen und weißer und schwarzer Magie.Die SuchendenWer wissen will, was Esoterik alles bedeuten kann, sollte Sarah Schneider* bei ihrer Suche begleiten. Frau Schneider hat eine Ausbildung zur Physiotherapeutin gemacht – und ist frustriert. Die Patienten kämen oft mit der Haltung: Mach mal den Schmerz weg! 20 Minuten müssen reichen! "Die Ursachen liegen aber oft viel tiefer", glaubt sie. Seit Schneider zwei Autounfälle "auf mystische Weise" überlebt hat, fühlt sie sich zu Höherem berufen als zur Lymphdrainage. Nur wozu, das weiß sie noch nicht.

Zunächst machte sie einen Kurs in der sogenannten Dorn-Therapie, einer Mischung aus Chiropraktik und Traditioneller Chinesischer Medizin, erfunden von einem Sägewerksbesitzer namens Dieter Dorn. Danach besuchte sie Wochenendkurse in Reiki. Es folgte eine Ausbildung in Aura-Chakren-Therapie, acht Wochenenden, Hunderte Euro, privat bezahlt. Danach Kinesiologie. Auch mit Edelsteinmassage hat Sarah Schneider schon experimentiert. Sie will unbedingt raus aus ihrem Beruf, in dem sie sich als Rädchen einer Gesundheitsindustrie fühlt: "Sonst kann die Energie nicht fließen."

Das Gefühl, in einer von der empirischen Wissenschaft dominierten Welt festzustecken, treibt die Leute massenweise der Esoterik zu. Solche Individualisierungstendenzen erklären für den Bayreuther Religionssoziologen Christoph Bochinger die Konjunktur der Esoterik. Er sieht ein starkes Bedürfnis, "sich Elemente für ein selbst konstruiertes Weltbild zusammenzusuchen und danach zu handeln".

Die Esoterik gleicht heute einem Supermarkt. Zur Auswahl steht der Fundus der Weltreligionen: die Engel und die Heiligen aus dem Christentum, Geister und Götter aus dem Hinduismus; die Anthroposophie Rudolf Steiners ist untergemischt sowie eine Mixtur aus Philosophie, Glauben und Aberglauben; dazugerührt das autoritätsstiftende Vokabular der Naturwissenschaft mit ihren "Feldern", "Energien" und "Quanten" (siehe Seite 35). An der Kasse wird alles zum Paket verschnürt und mit dem Etikett "Neu! Ganzheitlich! Spirituell!" versehen.

Das griechische Wort esõterikós bedeutet "das Innere", und so stand Esoterik ursprünglich für eine Lehre, die nur einem inneren Zirkel zugänglich war (gegenüber dem öffentlich verfügbaren Wissen, der Exoterik). Erst später wurde der Begriff als Synonym für magische und okkulte Praktiken verwendet. "Was heute unter Esoterik läuft, ist ein großer Steinbruch", sagt Bochinger. Der Berliner Religionswissenschaftler Hartmut Zinser fasst darunter kurzerhand alle Lehren und Praktiken zusammen, die "entweder, soweit es sich um Religiöses handelt, mit den erklärten Lehren der Kirche im Widerspruch stehen oder, soweit es sich als Wissen versteht, mit der Wissenschaft unvereinbar sind". Als "Metaphysik der dummen Kerle" bezeichnete der Soziologe Theodor W. Adorno einst den Okkultismus. Heute zeichnen Sozialforscher ein weniger verächtliches Bild suchender Menschen: Es sind überdurchschnittlich viele Städter, Abiturienten, religiös Interessierte, Westdeutsche, Frauen – Menschen wie die Physiotherapeutin Sarah Schneider.

Die Anbieter

Der Guru ist eine Frau, eher klein, sie sitzt im Hannover Congress Centrum auf einem Tisch – so kann man sie besser sehen. Sie heißt Sabine Müller und arbeitet mit Diamant-Einhorn-Energie. Sie bietet auch Jenseitskontakte an, Lesen aus der Hand, den Chakren oder dem Kaffeesatz. Außerdem offeriert sie Familienaufstellungen und Hellseherkurse. In München besitzt Frau Müller den Esoterikladen Pegasus. Auf den Hannoveraner Esoteriktagen gibt sie einen kostenlosen Schnupperkurs. 25 Männer und Frauen wollen miterleben, wie Frau Müller Schmerzen auflöst. Viele Jahre habe sie als Notariatsfachangestellte gearbeitet, erklärt sie dem Publikum, heute empfange sie Botschaften von der "Lichtmeisterin Xendradine". Sie öffnet die Arme und schließt die Augen, ihr Tonfall wird melodiös: "Ich bin Xendradine, Botschafterin des Glücks. Meine Lichtfrequenzen kommen aus der Urquelle allen Seins." In jeder Ecke des Raums stehe nun ein unsichtbares Einhorn, das die "Lichtenergie" im Raum halte. "Wer spürt Schmerzen?", will sie wissen. Fünf Frauen melden sich. Sabine Müller entscheidet sich, nach Rücksprache mit der "geistigen Welt", für Tanja, blond, Bankkauffrau. Tanja setzt sich vorn auf einen Stuhl. "Ich scanne dich jetzt ein", sagt die Heilerin Müller und streicht mit der Hand durch die Luft. "Ich habe gespürt, dass dein rechter Fuß schwerer ist. Hast du was mit dem Fuß?" – "Nein", sagt Tanja. "Mit Verstand funktioniert das nicht", weist Müller sie zurecht. "Dein drittes Auge ist hier", sie zeigt auf Tanjas Stirn, "aber blockiert! Du warst in einem früheren Leben Nonne. Du hast ein Metallkorsett hier", sie zeigt auf die Brust, "und hier", sie zeigt auf den Unterleib. Tanjas Freund, ein Versicherungskaufmann, kann es nicht fassen. Nach einer Weile macht er belustigte Miene zum seltsamen Spiel.

Viele Protagonisten der neuen Esoterik sind keine Gurus, sondern Dienstleister. Um das Jahr 2005 herum sei die Zahl der Anbieter sprunghaft angestiegen, hat die Okkultismusforscherin Doering-Manteuffel beobachtet. Ihre Erklärung: Viele Angestellte aus therapeutischen Berufen sind damals durch die Gesundheitsreform arbeitslos geworden, manche machten sich als Geistheiler oder Heilpraktiker selbstständig. Heiler aus Heilberufen – immerhin. Aber nicht nur – auch Autodidakten folgten ins spirituelle Geschäft. Der Münchner Psychologe und Esoterikkritiker Colin Goldner hält sie alle für Scharlatane. Dabei unterscheidet er zwei Gruppen: "Die einen sind überzeugt, im Besitz übernatürlicher Fähigkeiten zu sein. Die anderen wissen genau, dass sie nichts können. Die einen sind Fälle für die Psychiatrie, die anderen für den Staatsanwalt."

Sabine Müller scheint zu denen zu gehören, die an ihre übernatürlichen Kräfte glauben. Sie stellt sich mit ihrem Einhornstab vor Tanja und macht Bewegungen, als ringe sie mit einem unsichtbaren Wesen. Dann darf die Bankkauffrau die Augen wieder öffnen. "Wie fühlt sich das an?" – "Besser." Bevor jemand Tanja fragen kann, wo es eigentlich wehgetan hat, ist sie in der Menge verschwunden.

Die Multiplikatoren

Die meisten esoterischen Moden sind kurios, aber nicht gefährlich. Sie sind auch beileibe nicht so teuer wie beispielsweise Geländewagen, deren massenhafter Verkauf den Planeten sicher mehr bedroht als der Verkauf von, nun ja, Edelsteinwasser. "Möchten Sie ein normales Wasser oder Edelsteinwasser?", fragt Uwe Bokelmann die ZEIT zur Begrüßung. Sein Lächeln signalisiert, dass er gerade die erste Pointe des Gesprächs für sich verbucht. Gefragt wird er nach seiner Zeitschrift Happinez, die sich "Mindstyle Magazine" nennt und "offen für Wunder" sein will. Bokelmann ist einer der erfolgreichsten Magazinmacher Deutschlands. Er leitet gleich vier Hefte aus dem Hamburger Bauer-Verlag, darunter auch ein populäres Wissensmagazin. Dass auf dem Konferenztisch ein 200-Euro-Glaskrug mit "energetisierten" Kristallen steht, die "totes" Wasser "lebendig" machen sollen, gibt ihm die Gelegenheit, die weltanschauliche Beweglichkeit seiner Gäste zu testen.

Zwei Jahre ist Happinez auf dem deutschen Markt, die Auflage stieg steil auf rund 119.000 Exemplare, das Heft erscheint seit 2013 achtmal im Jahr. Edel gemacht und gediegen geschrieben, wirkt das Heft ganz anders als die Dutzendware, die sich im Esoterikregal stapelt: Connection Spirit, Newsage, Lichtfokus, GralsWelt, Happy Way und Sensa.

Unter dem Rubrum Esoterik listet Amazon knapp 25.000 Buchtitel auf. Fast jede zehnte Sachbuch-Neuerscheinung fällt in diese Sparte. Happinez, das Lizenzprodukt eines niederländischen Titels, erschließt das spirituelle Themenspektrum für ein neues, durchaus gebildetes Publikum. "Wir sind nicht esoterisch", sagt Bokelmann, "und ideologisch sind wir auch nicht. Wir reden niemandem ein, was er glauben soll. Wir beschäftigen uns mit Spiritualität in ihrer ganzen Breite."

Tatsächlich löst Happinez Grenzen auf zwischen der Esoterik und den Themen aus Literatur, Philosophie, Psychologie und Religion. Im Ergebnis geht das alles wunderbar durcheinander, so wie im aktuellen Heft zum Thema Lebenslust: lachende Buddhas, ein Essay über Achtsamkeit, Yoga-Übungen für die Seele, ein Interview mit einem Glücksforscher... Was ist Bokelmanns Mission? "Wir leben in einer Welt, in der es immer vorangehen soll. Der noch bessere Job, das noch teurere Auto. Aber fragen Sie die Deutschen mal, ob sie glücklich sind! Darüber redet man fast so ungern wie über sein Gehalt. Denn die ehrliche Antwort lautet: Nein."

Ganz so schlimm ist es vielleicht nicht. Im neuesten Glücksatlas, den die Deutsche Post in Auftrag gegeben hat, platzieren sich die Deutschen auf einer Skala von eins (ganz und gar unzufrieden) bis zehn (ganz und gar zufrieden) bei 7,0. Bokelmann könnte trotzdem recht damit haben, dass uns Zeit und Ruhe fehlen, das Glück wahrzunehmen. Wie holt man ein verloren gegangenes Gefühl zurück?

Nun – indem man seine Leserinnen (Männer sind in der Esoterik deutlich unterrepräsentiert) zunächst mal von dem branchenüblichen, dem durch Diät-Tipps dominierten Frauenbild befreit. Und ihnen sagt: Du bist schön und einzigartig, so wie du bist. Du bist nicht fett, du bist nicht hässlich – wie die anderen immer behaupten. Happinez wendet sich an die sinnsuchende Frau mittleren Alters. Der Charme des Heftes besteht darin, dass hier niemand bekehrt, sondern das Wunderbare gefeiert wird.

Herr Bokelmann, glauben Sie eigentlich an Wunder? "Natürlich!" Das Wort bedeute ihm zwar nicht mehr dasselbe wie einst als Kind im katholischen Internat. "Aber dauernd begegnen uns zwischen Himmel und Erde doch unerklärliche Dinge." Und eine Idee nicht zuzulassen, bloß weil sie einem nicht gleich einleuchte, sei feige. Woran kann er selber partout nicht glauben? "Chakren!", ruft Bokelmann aus. Er habe sich das Thema von seinen Redakteurinnen – allesamt Frauen – mehrfach erklären lassen, aber er verstehe nur Bahnhof. Trotzdem kam das Thema ins Heft. Ist das jetzt tolerant oder postmodern? Ist es cool oder unverantwortlich? Bokelmann sagt: "Jeder Mensch, der bei Verstand ist, kann ja selbst entscheiden, was er glaubt." Und was er kauft.

Die Opfer

Was aber, wenn die Vernunft aussetzt, wenn Heiler und Gurus den Glauben ihrer Anhänger gnadenlos ausnutzen? Am liebsten hätte er seine erwachsene Tochter geschüttelt, sagt Uwe Hoffmann*: "Werd endlich wach!" Aber da hatte sich Martina schon davongemacht, zu Gottfried Bresink ins bayerische Inzell. Bresink ist ein alter Herr, der seine Briefe mit "Gott-Vater" unterschreibt. Für ihn hatte Martina ihre drei Kinder und ihren Mann verlassen. Ab und zu rief sie an und teilte mit: Sie habe einen neuen Glauben. Was das bedeutet, hat Bresink beim Gewerbeamt Inzell wie folgt angemeldet: ganzheitliche Lebenshilfe, Meditation, Persönlichkeitsberatung und Bewusstseinsförderung. Als ein Fernsehteam seine meditierende Gruppe filmen durfte, sah das so aus: "Öffne dein Herz, du wirst mich fühlen", sprach Bresink im Sitzkreis. Die anderen hatten die Augen geschlossen, manche weinten.

In Sabine Riedes Essener Besprechungszimmer bei der SektenInfo NRW steht auf dem Tisch ein Körbchen mit Taschentüchern – für die vielen Tränen, die hier vergossen werden. Als eine Art Notfallambulanz für Esoterikgeschädigte hat sich der Verein einen Namen gemacht. Vor ein paar Jahren meldeten sich vor allem Opfer von Sekten wie Scientology. Mittlerweile sind andere Fälle typisch: Menschen, die von vermeintlichen Heilern abgezockt werden, die sich von Wahrsagern abhängig fühlen oder die Angehörige an einen Guru verloren haben. Eine Frau aus Bresinks Gruppe war 2009 von einer Brücke in den Tod gesprungen, ihr geschiedener Ehemann macht den spirituellen Lehrer für den Suizid verantwortlich. Der Witwer betreibt heute die Website einweghinterslicht.de für Aussteiger.

Die fünf Angestellten der SektenInfo NRW erleben täglich die dunkle Seite der Unvernunft – sie haben aber auch Mittel und Wege, um Betroffene aus der Falle zu befreien. Im Fall Martina über das Familienrecht. Für Vater Hoffmann schrieb Sabine Riede ein Kurzgutachten über die Bresink-Gruppe für das Familiengericht. Das entzog Martina daraufhin das Aufenthaltsbestimmungsrecht über ihre Kinder. Die Notfallhelferin Riede lud Martinas Vater und ihren Ehemann zur Beratung ein und empfahl ein Erste-Hilfe-Programm. Zunächst: das gemeinsame Konto sperren und nur den Unterhalt überweisen. So hat der Guru keinen Zugriff auf die Ersparnisse der Familie. Zweitens: Kontakt halten, anrufen, Briefe schreiben! Drittens: keinesfalls die Esoterik angreifen! Kritische Gespräche können später stattfinden. Wenn die Verlorene zu sich gekommen ist.

Martina kam wieder zu sich. Als eines der Kinder im Krankenhaus lag, kehrte sie zurück. Das vergangene Jahr sei ruhig gewesen, sagt Martinas Vater. Aber er werde den Tag nie vergessen, an dem sein Enkel bei ihm angerufen habe, weil die Mutter die Koffer packte, um ihrem spirituellen Führer nachzulaufen. "Opa", habe der Kleine gesagt, "mit der Mama stimmt was nicht." Bis heute wundert sich Hoffmann, dass das kritische Denken bei normalen Menschen so aussetzen kann.

        23.05.2013 um 8:44 Uhr

    1. Es ist immer wieder ein große Vergnügen,

 

    über den großen Teil der deutschen Bevölkerung zu lesen, der sich als Experte auf gesundheitlichen und wissenschaftlichen Gebieten empfindet.

    Ich habe selbst einige Jahre während meiner Studienzeit bei Questico im Backoffice gearbeitet und habe zweierlei festgestellt:

    1. Ja, der Markt für Okkultes ist riesig. Das Unternehmen Esoterik ist nicht von außen entstanden, sondern der Markt dafür war schon lange vorher da, Questico musste lediglich das Geld, das quasi auf der Straße lag, aufheben und gewinnbringend in den Ausbau des Unternehmens investieren. Im Gegensatz zu marktüblicher Nachfragenerschaffung beim Kunden hatte Questico eine solche Strategie gar nicht nötig.

    2. Jeder Mensch hat das Recht auf Unvernunft. Wenn ich davon ausgehen würde, dass wir die Menschen vor sich selbst schützen müssen, dann sprächen wir ihnen jede Verantwortung ab, könnten sie also nicht mal eine Unterschrift leisten oder alle vier Jahre wählen lassen. Wir müssen also davon ausgehen, dass erwachsene Menschen in voller Eigenverantwortung ihr Geld zum Fenster hinauswerfen, um sich "beraten" zu lassen. Übrigens hat Questico die Mitarbeiter im Backoffice angewiesen, auch die Telefonnummer der Seelsorge oder psychiatrischen Krisendienst an Kunden mit "echten" Problemen weiterzuleiten. So viel Anstand konnte selbst dieses Unternehmen aufbringen.

    Allerdings fällt es mir nach wie vor schwer, der Verbissenheit und Humorlosigkeit der Esoterikanhänger nicht mit Spott und Verachtung zu begegnen.

    2. Warum es höchst vernünftig ist, sich m. Esoterik zu beschäftigen

 

    Der Philosoph Immanuel Kant & der Hellseher Emanuel Swedenborg

 

    Ein Studium dieses hausinternen Beitrages hätte die Autoren möglicherweise befähigt, statt schneller Urteile zunächst einmal Fragen zu stellen:

 

    • In welchem gesellschaftlichen und weltanschaulichen Kontext findet die Hinwendung zu Feldern der Esoterik heute überhaupt statt?

    • Welches sind die Felder und worin liegt es, dass die bisherigen Bereiche nicht mehr tragen?

    • Was kann heute noch als erprobtes Werkzeug des Erkenntnisgewinns gelten?

    • Wo verläuft die Trennlinie zwischen ›Esoterik‹ und ›Markenkult, Finanzökonomie, Sport, Entertainment‹?

 

    Statt sich mit professioneller Distanz und solidem journalistischem Handwerk dem Themenfeld zu nähern, lesen wir: Meinungen, Urteile, wertende Beschreibung von Einzelphänomenen.

 

    Guter Journalismus zeichnet sich kaum dadurch aus, ein Thema auf den Horizont seines privaten Weltbildes zu reduzieren. Esoterik aus der Perspektive eines positivistischen Reduktionismus erfassen zu wollen, muss zwangsläufig zu substanzlosen Befunden u. Urteilen führen.

 

    Oder, um mit Kant zu sprechen (angesichts der ihm vorgetragenen Berichte d. Visionen u.Totengespräche des Geistsehers Emanuel Swedenborg, 10. Aug. 1763): …um nun das Vorurtheil von Erscheinungen und Gesichtern nicht durch ein neues Vorurtheil blindlings zu verwerfen, fand ich es vernünftig, mich nach dieser Geschichte näher zu erkundigen.

        23.05.2013 um 20:14 Uhr

    3. Warum es höchst vernünftig ist,Pseudowissenschaften zu entlarven

 

    ...steht auch in dem Artikel, den ich mit großem Interesse gelesen habe.

 

    Weil es nämlich Opfer gibt. Opfer, die Leuten auf den Leim gehen, die entweder ein Fall für die Psychiatrie oder für den Staatsanwalt sind, wie es der Psychologe Goldner treffend ausdrückt. Auch für dieses Zitat kann man den Autoren dankbar sein, die im Übrigen im Gegensatz zur Meinung von farbenspiel54 professionell und solide recherchiert und strukturiert haben. Den Artikel als positivistischen Reduktionismus auf verschwurbelte Weise zu diffamieren, spricht für sich.

 

    Was kann heute noch als erprobtes Werkzeug des Erkenntnisgewinns gelten? Wissenschaft natürlich. Aber nicht eine als Wissenschaft verkleidete Pseudowissenschaft, die mit "Feldern", "Energien" und "Quanten" Mixturen herstellen, die, wie es wunderbar ausgedrückt ist, autoritätsstiftend daherkommen, obwohl sie auf eine lächerliche Weise nichtssagend sind.

        23.05.2013 um 22:18 Uhr

    4. Eso-Mischmasch

 

    Es wundert mich, dass der in dem Artikel angerührte Eso-Mischmasch so weitgehend unkommentiert bleibt. Geistheilen, Naturmedizin, Feng Shui - alles munter unter dem Label "Okkultismus" zusammengerührt und damit die eigenen Vorurteile und anscheinend auch die der Leserinnen und Leser aufs Trefflichste bestätigt. Ich habe mich ehrlich gesagt geärgert, dass ich für jene Ausgabe der ZEIT auf Papier Geld ausgegeben habe. Von einer so renommierten Redaktion hätte ich fundiertere Recherche und Urteilsbildung erwartet.

    5. Wissenschaft und Wirklichkeit

 

    Edmund Husserl hat den fundamentalen Irrtum heutiger Wissenschaft beschrieben, dass die Welt der Erscheinung durch die Beschreibung objektive Gesetzmäßigkeiten eine Universalität und einen Bestand haben könnte. Jegliches sog. Naturgesetz sei ein Produkt des menschlichen Geistes, da ausschließlich von diesem formuliert, so Husserl.

 

    Heisenberg hat in Folge dargelegt, dass die Trennung von Subjekt und Objekt (und damit die Vorstellung einer objektiven und wertfreien Wissenschaft) nicht gegeben sein kann: wie sich die Welt erklärt, hängt einzig von unserer Fragestellung ab. Der Wissenschaftler fragt mit seinem Bewusstsein und ist daher immer Teil des Ergebnisses. Wenke (2011) geht soweit zu behaupten, das Universum der Wissenschaft sei ein ›reines soziales Phantasieprodukt‹.

 

    Es gibt also gute Gründe, den Universalanspruch heutiger Wissenschaft zu relativieren. Diese existiert als subjektive Erscheinung mit dem jeweiligen Bewusstsein des Fragenden, der Bedeutungszuweisung der Gesellschaft und dem ökonomischen Interesse der Auftraggeber. Die Differenzierung einer vermeintlich objektiven Wissenschaften vs. subjektiven Bereichen der Kunst, Religion und Esoterik ist daher ebenfalls nur ein gedachtes Modell. Realität sind ausschließlich Phänomene, nicht Deutungen (Husserl).

 

    PS. Dem Verfasser sei noch die Frage gestellt, wievlele ›Opfer‹ esoterischer Praxis er denn persönlich kennt und wie er Markenkult, Finanzökonomie, Sport und Entertainment hierzu einordnet?

        25.05.2013 um 1:16 Uhr

    6. Re: Wissenschaft und Wirklichkeit

 

    Natürlich ist auch Wissenschaft subjektiv, zumindest zu einem guten Teil. Solange man sich dessen bewusst bleibt, ist das aber kein fundamentales Problem. Allerdings gibt es zur wissenschaftlichen Methode (WM) keine Alternative. Unter anderem zeichnet sich die WM dadurch aus, dass sie reproduzierbare (!) Phänomene untersucht, die es in Religion und Kunst selten gibt. Leider hat es die Esoterik leicht, sich in der Heilkunde breit zu machen, da alle Menschen "Einzelfälle" und daher nur mit Mühe einer wissenschaftlichen Analyse zugänglich sind.

 

    Es ist bedauerlich, dass immer noch so viele Leute auf Esoterik und Religion hereinfallen. Man kann sich darüber beklagen, dass die Schulmedizin nicht immer eine Antwort hat, aber um die WM kommen auch Esoterik und Religion nicht herum, wenn sie ihre Wirksamkeit beweisen wollen:

 

    Auch wenn der Glaube manche Berge versetzen kann, einer wissenschaftlichen Überprüfung hält er nicht Stand. Wenn z.B. Gebete helfen würden, hätten die hochreligiösen Länder Nordafrikas keine Dürren und Hungerkatastrophen, und die reichen Christen der westlichen Welt hätten weniger Krebs oder andere Krankheiten als die nichtbetenden Atheisten. Wenn der Glaube dann doch Berge versetzt, darf man getrost psychologische und sonstige Placebo-Effekte in Betracht ziehen, die wissenschaftlich aufs Beste belegt sind.

   

        25.05.2013 um 12:51 Uhr

    7. Ich weine ...

 

    ... um die Menschheit.

        25.05.2013 um 12:51 Uhr

    8. Moxibustion

 

    Die Moxibustion ist eine Technik zur Stimulierung von Akupunkturpunkten. Es gibt zahlreiche nach schulmedizinischen Prinzipien durchgeführte Studien, die die Wirksamkeit der Akupunktur bei manchen Krankheitsbildern belegen. Bei anderen Krankheitsbildern ist das Gegenteil belegt oder die Ergebnisse sind nicht eindeutig.

 

    Ob es auch Studien zur Aktivierung der Punkte durch Moxibustion gibt oder zur Wirkung der Akupunktur auf die Drehung des Kindes im Mutterleib, ist mir nicht bekannt. Kennt der Autor eine solche Studie? Wenn nicht, halte ich es angesichts des in manchen Fällen nachgewiesenen Erfolgs der Akupunktur für sehr gewagt, einen Artikel über die Unsinnigkeit esoterischer Verfahren ausgerechnet mit einem Beispiel aus dem Bereich der Akupunktur aufzuziehen.“